Beglückende
Entdeckung
Es war einmal eine kleine Sonnenblume,
die mitten in einem Garten stand.
Die kleine Sonnenblume meinte, dass
sie es sei,
die die Sonne täglich
ü ber die Himmelskuppel wandern liess.
Nannte man sie niche „gira-sol“,
die Sonnenwenderin?
Ja, sie war es, die die Sonne über
den Himmel lenkte,
jeden Tag aufs neue!
Welch eine Verantwortung hatte sie
zu tragen!
Sie raffte alle Kräfte zusammen,
um ihr schweres Werk zu vollbringen,
ständig die Richtung anzugeben,
der die Sonne zu folgen hatte.
Wenn wieder ein Tag zu Ende war,
sagte die Sonnenblume zu sich selbst:
Ich habe es wieder einmal geschafft.
Ich weiss, ohne mich geht es nicht.
Aber es ist Schwerarbeit.
Man müsste so gross sein wie ein
Wagenrad,
um der Aufgabe ganz gewachsen zu sein.
So weiss ich nicht,
wie lange ich das durchhalte.
Die Anstrengung macht mich einfach
fertig!
Eines
Tages ging einer vorüber,
der blieb bei der kleinen Sonnenblume
stehen
und sagte ihr, dass nicht sie es sei,
die die Sonne bewegte,
sondern dass es umgekehrt war:
Die Sonne bewegte durch ihre Strahlen
das kleine Blumengesicht.
Da wurde die kleine Sonnenblume traurig.
Sie war wie am Boden zerstört,
liess das Köpfchen hängen
und wollte am liebsten sterben.
Doch
am nächsten
Morgen, als die Sonne aufging,
machte sie eine beglückende
Entdeckung:
Müde und traurig. wie sie war,
ohne Kraft, ihr Köpfchen zu
heben,
spürte sie, wie die Strahlen
der Sonne
sie durchdrangen und erwärmten.
Ohne dass sie etwas dazu getan hätte,
merkte sie, dass ihr Gesicht
auf einmal der Sonne zugewandt war.
Ü berrascht und erfreut
gab sie sich ganz dem Licht und der
Wärme hin,
die sie durchströmten.
Und es geschah,
dass die kleine Sonnenblume
von einem Glücksgefühl erfüllt
wurde,
wie sie es bisher nicht gekannt hatte.
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Das Geheimnis der Hoffnung
Hoffen heisst nicht,
aus dem Heute ins Morgen fliehen.
Hoffen heisst
das Morgen ins Heute ziehen,
heisst leben aus der Kraft,
die, aus dem Morgen quellend,
das Heute schafft.
Dass
der Zukünftige
mein Herr sei zu dieser Stunde,
dass heute mein Leben
seine Herrschaft bekunde,
dass der Kommende selbst im Leide
sei der Quell meiner Freude:
Das allein sei an jedem Ort
und zu aller Stund
meiner Hoffnung Grund!
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Viele Weisen, ein Weg
Es gibt viele Weisen zu beten,
vor Gottes Antlitz zu treten,
gibt tausend Weisen zu singen,
ihm Lob und Ehre zu bringen.
Es gibt viele Weisen zu leben,
zu zeugen, zu helfen, zu geben;
gibt tausend Weisen zu handeln,
in seinem Lichte zu wandeln.
Es gibt viele Weisen zu lieben,
Erbarmen und Güte zu üben,
gibt tausend irdische Pfade,
zu zeugen von seiner Gnade.
Doch Wahn sind Wege und Weisen,
die nicht seine Alllmacht preisen,
seine Treue und Güte künden,
in den Weg seiner Liebe münden.
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Was soll ich tun?
Was sol ich tun?
Die alte Menschheitsfrage
Ist tief in unser Wesen eingesenkt.
Was soll ich tun?
Das heisst, ich weiss tief innen:
Es ist ein andrer, der mein Leben lenkt.
Was soll ich tun?
Mein Suchen und mein Fragen
trifft nur in dir, Herr, auf ein heilig
Du.
Was soll ich tun?
Allein im Licht des Glaubens,
im Tun der Liebe kommt mein Herz zur
Ruh.
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Morgenlied
Der
Morgen dämmert
auf.
Was wird der Tag mir bringen?
Was, bei der Stunden Lauf,
wird wohlgehn, was misslingen?
Der Tag, er liegt noch brach,
die Stunde muss noch schlagen:
Ob Freud, ob Ungemach –
wer will´s am Morgen sagen?
Und schon beginnt der Tag
in mir sich zu gestalten:
Ich sinn´, was werden mag,
wie allem standzuhalten.
Und eh ich es erfasst,
da droht der Tag und hanget
wie eine dunkle Last,
vor der dem Herzen banget.
Der
schöne, lichte
Schein:
Wo ist der Glanz geblieben?
Hat ihn nicht ganz allein
mein töricht Herz vertrieben?
O Gott, dass ich ihn mag
in rechtem Lichte sehen,
lass deinen neuen Tag
erst in mir selbst erstehen!
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