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  Wer gesehen hat, muss schreien
                

Es liegt am Herrn, liegt nicht am Haus    

Die Kirche ist ein Krankenhaus,
wohl dem, der´s nicht vergisst:
Die Kranken sind ihr eigen Volk,
der Arzt ist Jesus Christ.

Kein menschlich Leiden ist ihr fremd,
kennt Nöte ohne Zahl.
Und doch ist sie ein Ort des Heils,
ist nicht ein Ort der Qual.

Es liegt am Herrn, liegt nicht am Haus,
dass Heil in ihr geschieht.
Es liegt am Arzt, der hilft und heilt,
der nicht nur weiss und sieht.

Und wie der Herr, so tut der Knecht:
Noch schwach, doch Heil im Blick,
streckt er die Hand nach Schwäch´ren aus,
reisst sie vom Tod zurück.

Es kommt der Tag, an dem der Herr
sein volles Heil enthüllt.
Dann ist, am Abend aller Zeit,
der Kirche Tag erfüllt. (aus „Wer gesehen hat“)


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Das Mass deiner Last                                                           

Du sollst die Last von morgen nicht schon heute tragen.
Gott will nicht, dass die Dinge dich zur Unzeit plagen.

Er selbst hat deine Bürde dir heut zubemessen.
Das Mass, das du dir setztest, gilt es zu vergessen.

So lobe Gott mit Freuden, lass ihm deine Sorgen.
Samt deiner Last will er dich tragen heut und morgen.



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Trost und Tröster                                                                       

Trost ist nicht in den Dingen,
ist nicht in Ehre und Macht,
und keiner kann Trost erzwingen,
Trost ist wie Licht in der Nacht.

Die Dinge sind fremd und schweigen,
und die Macht, sie ist hart und ist kalt,
und die Welt ist keinem zu eigen,
und nichtig ist alle Gewalt.

Trost ist nur in dem Einen,
der unser Verderben gewandt,
und selig sind, die da weinen:
Gott hat uns den Tröster gesandt. ( aus „Wer gesehen hat“)


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Abba                                                                                            

Vater, mich verlangt nach dir!
Alles Grübeln, alles Fragen,
alles Raffen, Rennen, Jagen,
alle Lust und alle Gier
führt ja nicht aus Angst und Enge,
reisst nur weiter ins Gedränge:
Vater, mich verlangt nach dir!

Vater, mich verlangt nach dir!
Nicht nach goldnem Himmelstore,
nicht nach selgem Engelchore,
nicht nach lichten Kleides Zier,
nicht nach Paradiesesauen,
nur dein Antlitz lass mich schauen!
Vater, mich verlangt nach dir! (aus „Wer gesehen hat“)


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Du hattest mich längst gefunden                                              

Im Ofen des Elends fand ich dich,
da hast du mich überwunden.
Ich wähnte dich fern, ich wusste es nicht:
Du hattest mich längst gefunden.

Ich rang in der Nacht an einsamem Ort,
es ging um Leben und Sterben.
Dein heiliger Engel rührte mich an,
ich meinte, ich müsste verderben.

Und als die Nacht am dunkelsten war,
als ich an mir selber verzagte,
da ging deine Gnade mir auf wie ein Licht,
und ein tröstlicher Morgen tagte.

Es war nicht die Angst, die mich zu dir trieb,
ich fand mich in deinen Armen!
Es war nicht das Elend, war nicht die Glut,
es war allein dein Erbarmen. (aus „Wer gesehen hat“)


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Die gute Stimme                                                                      

Ich will der leisen, guten Stimme glauben,
die niemals ganz in mir zum Schweigen kam,
die im Gelärm der Tage heimlich mahnte,
die mich dem Widerstreit der Welt entnahm.

Ich will auf Jesu klare Stimme hören,
die unter tausend Stimmen sich erhebt,
die aus der Wahrheit quillt, die Gnade atmet,
die von dem Gotte zeugt, der wirkt und lebt.

Ich will des guten Hirten Stimme scheiden
von allen andern Stimmen dieser Welt,
will dem nur folgen, der mich auch im Dunkel
mit seinen ewgen Armen trägt und hält (aus „Wer gesehen hat“).