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  Einer soll heute dein Nächster sein
   

Einer – heute
           

Einer soll heute dein Nächster sein,
einer, der sonst nicht zählt,
einer, der nicht mehr glauben kann,
der sich mit Zweifeln quält.

Einer soll heute dein Nächster sein,
einer, dem Leid geschehn,
einer, der keinen Menschen hat,
den Gott für sich ersehn.

Einer soll heute dein Nächster sein,
einer, der sich entzweit,
der sich in seinem Sinn vrschliesst,
der mit sich selbst im Streit.

Einem sollst du heute Nächster sein,
einem sollst du dich nahn,
sollst an ihm tun, wie Jesus Christ
selber an dir getan.

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Die Macht des Faktischen                                                         

Eine stachlige Raupe sprach zu sich selbst:
Was man ist, das ist man.
Man muss sich annehmen
mit Haut und Haaren.
Was zählt, ist das Faktische.
Meine Lebenserfahrung
l|ässt keinen anderen Schluss zu:
Niemand kann aus seiner Haut.

Als die Raupe das gesagt hatte,
flog neben ihr
ein Schmetterling auf.
Es war,
als ob Gott gelächelt hätte.

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Leben als Gotteslob                                                                   

Dein Leben sei ein Lied,
das Gottes Güte preise.
Gib seiner Liebe Raum,
er schenkt dir Wort und Weise.

Es jammert und es klagt
die Welt zu allen Zeiten.
Mit Freuden sollst du dich
zu Gottes Lob bereiten.

Selbst wenn dein eigen Herz
zur Stunde widerstrebet:
Hör nicht aufs eigne Herz,
hör auf den Herrn, der lebet.

Bring deine Stimme ein
da, wo sein Lob erklinget:
Die neue Welt bricht an,
wo Gottes Volk lobsinget.

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Brennendes Argument                                                              

„Was ist mit dir los? –
Du glühst ja regelrecht“,
sagte jemand
zu einer brennenden Kerze,
„ und du bist sichtlich
weniger geworden.
Du wirst dich selbst verzehren,
wenn du so weitermachst.
Gestern warst du doch noch heil
und hattest normale Temperatur!“
„ Ich hatte eine Begegnung“,
antwortete die Kerze,
„ eine schmerzhafte Begegnung
mit einem brennenden Streichholz.

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Arbeit für die Firma                                                                                                   
Ich fragte einen Arbeiter,
der an einer Baustelle Eisenstangen bog:
„ Bitte, wer baut hier eigentlich –
wer ist der Besitzer, der Bauherr?“

„Keine Ahnung, Senhor!“

„Aber was soll denn hier entstehen:
ein Wohnblock – Büroräume?“ –

„Fragen Sie den Chef.
Ich weiss es nicht.
Mein job ist es, Eisen zu biegen.
Ich arbeite nur für meine Firma.“

Während ich weitergehe,
drängt sich mir der Gedanke auf:
Es muss eigentlich ein elendes Leben sein,
Tag für Tag Eisenstangen zu biegen
für einen Bau,
dessen Plan und dessen Zweck
man nicht kennt,
von dessen Besitzer man nichts weiss.
„ Ich arbeite nur für meine Firma.“

Wieviele Christen
haben sich wohl damit abgefunden:
Sie arbeiten nur noch
für die Firma Kirche.
Und sie wundern sich darüber,
dass ihr Dienst freudlos ist.